Wildbienen: Eine erstaunliche Vielfalt in Basel
Als Wildbienen bezeichnet man sämtliche Bienen- und Hummelarten – mit Ausnahme der Honigbiene. © Freepik
Wenn wir an Bienen denken, haben die meisten von uns sofort die Honigbiene vor Augen. Doch sie ist nur eine der über 620 Bienenarten, die in der Schweiz vorkommen – die grosse Mehrheit sind Wildbienen. Allein in Basel wurden zwischen 150 und 200 verschiedene Arten nachgewiesen – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Manche sind kaum grösser als ein Reiskorn, andere sind auffällig flauschig, wieder andere schimmern metallisch oder sind wespenartig gelb gestreift.
Auch ihr Lebensstil unterscheidet sich stark von dem der Honigbiene. Die meisten Wildbienen sind Einzelgängerinnen: Sie bauen eigene Nester, versorgen ihre Brutzellen selbst mit Pollen und Nektar und leben nur eine Fortpflanzungssaison lang. Lediglich wenige Arten – darunter Hummeln – leben sozial. Rund ein Viertel der Arten sind sogenannte Kuckucksbienen, die keine eigenen Nester bauen, sondern ihre Eier heimlich in fremde Nester schmuggeln.
Wahre Wunderwesen der Natur
Wildbienen, wie diese Rotschopfige Sandbiene, sind für das ökologische Gleichgewicht unverzichtbar. © Freepik
Auch wenn Wildbienen keinen Honig produzieren, sind sie für unsere Stadtnatur absolut unverzichtbar. Sie bestäuben einheimische Wild- und Nutzpflanzen und tragen damit direkt zu unserer Biodiversität und zu stabilen Ernten bei. Ohne sie würden viele Produkte, die wir täglich nutzen, verschwinden oder sich stark verändern – von Obst und Gemüse über Raps- und Sonnenblumenöl bis hin zu bestimmten Kosmetikrohstoffen.
Trotz ihrer enormen Bedeutung sind Wildbienen stark gefährdet. In der Schweiz gilt jede zweite Art als bedroht, 57 der rund 620 Arten sind bereits ausgestorben. Die Ursachen sind vielfältig: Pestizide, Überdüngung, monotone Siedlungsräume und fehlende Nistplätze machen ihnen zu schaffen.
Doch es gibt auch viel Grund zur Hoffnung: In unseren Gärten und auf unseren Balkonen können wir mit einfachen Massnahmen wirklich etwas bewirken. Denn mit mehr einheimischen Pflanzen und naturnahen Elementen finden Wildbienen auch in der Stadt erstaunlich gute Lebensbedingungen. Diese fünf Tipps zeigen, wie du ihnen ganz konkret helfen kannst.
6 einfache Tipps, wie du Wildbienen unterstützen kannst
1. Einheimische Pflanzen anbieten
Auch auf Balkonen lassen sich wertvolle Lebensräume für Wildbienen schaffen. © bs.ch/aue
Wildbienen leben in einer kleinen Welt: Mit einem Flugradius von nur 100 bis 300 Metern sind sie auf das angewiesen, was direkt um sie herum wächst. Deshalb wird jede blühende Ecke in der Stadt für sie wertvoll – ob im grossen Garten, auf dem Balkon oder einer schmalen Fensterbank. Besonders wichtig ist, dass das Blütenangebot aus einheimischen Pflanzen besteht, denn nur sie liefern den passenden Pollen und Nektar, den Wildbienen für ihren Nachwuchs brauchen.
Beliebt bei Wildbienen sind beispielsweise:
- Wildblumen wie Glockenblumen, Skabiosen, Margeriten oder Wiesen-Salbei
- Blütengehölze wie Kornelkirsche, Salweide, Vogelbeere oder Holunder
- Wildstauden wie Nachtviole, Rainfarn, Königskerze oder Ochsenauge
- Kräuter wie Lavendel, Thymian oder Majoran
Wenn du Unterstützung bei der Auswahl passender Pflanzen brauchst, hilft dir die Plattform RegioFlora weiter. Dieser Pflanzenfinder zeigt dir einheimische Arten, die zu deinem Standort und den Lichtverhältnissen passen. Zudem erfährst du, wo du in deiner Region Pflanzen oder Saatgut beziehen kannst. Wenn du keinen Garten hast, findest du in diesem Blogbeitrag praktische Tipps, wie du auch deinen Balkon in eine bienenfreundliche Oase verwandeln kannst.
2. Natürliche Blühoasen auf dem Rasen zulassen
Wo der Rasen wachsen darf, entstehen von selbst kleine Blühoasen für Wildbienen. © Freepik
Wildbienen sind auf ein vielfältiges Blütenangebot angewiesen – und vieles davon kann ganz ohne intensive Gartenarbeit entstehen. Wer beispielsweise den Rasen etwas höher stehen lässt, seltener mäht oder einzelne Ecken bewusst ausspart, schafft Raum für Wildpflanzen, die ganz von selbst auftauchen. So entsteht nach und nach eine kleine, natürliche Blühoase mit Klee, Gänsefüsschen oder Löwenzahn, die Wildbienen wertvolle Nahrung liefern.
Wenn du noch mehr Vielfalt schaffen möchtest, kannst du zusätzlich eine einheimische Wildblumen-Samenmischung aussäen. Solche blühenden Inseln lieben Wildbienen besonders: Sie bieten ihnen Nektar und Pollen in Hülle und Fülle – beides wichtige Energie- und Eiweissquellen, vor allem für ihre Larven.
3. Natürliche Nistplätze ermöglichen
Viele Wildbienenarten benötigen sandige oder lehmige Bodenstellen, um ihre Nester anzulegen. © bs.ch/aue
Die meisten Wildbienenarten legen ihre Nester in offenen, sandigen oder lehmigen Bodenstellen an. Andere bevorzugen Totholz, markhaltige Pflanzenstängel, kleine Hohlräume in Holz oder Mauerwerk oder sogar leere Schneckenhäuser.
Damit sie in Basel solche sicheren Orte zum Nisten finden, sind sie auf naturnahe Gärten und Grünflächen angewiesen. Das kann bedeuten, eine offene Sandstelle nicht zu bepflanzen, Pflanzenstängel über den Winter stehen zu lassen oder ein sorgfältig gefertigtes Insektenhotel aufzustellen. Diese kleinen «wilden Ecken» helfen den Wildbienen, ihre Brut sicher grosszuziehen und neue Generationen hervorzubringen.
4. Pflanzen natürlich stärken
Eine naturnahe und vielfältige Bepflanzung macht Gärten widerstandsfähiger – ganz ohne den Einsatz von Pestiziden. © Unsplash
Wildbienen reagieren empfindlich auf viele gängige Pflanzenschutzmittel, da diese nicht nur Schädlinge, sondern auch jene Insekten bekämpfen, die wir eigentlich schützen möchten. Umso schöner ist es, dass Pflanzen in naturnahen Gärten oft gar keine chemische Unterstützung benötigen. Wenn der Boden gesund ist, der Standort passt und die Bepflanzung vielfältig ist, werden sie von selbst widerstandsfähiger und robuster. Starke Pflanzen können Schädlingen viel besser trotzen – ganz ohne Spritzmittel.
Auch bei der Düngung lohnt sich ein natürlicher Ansatz. Zwar sorgen synthetische Dünger für schnelles Wachstum, sie schwächen aber häufig die Pflanzenstruktur und damit auch die Blütenbildung. Organische Dünger wie Kompost, Stallmist (z. B. Pferde- oder Hühnermist), Hornspäne, Hornmehl oder Pflanzenjauchen aus Brennnesseln oder Beinwell wirken dagegen langfristig, stärken das Bodenleben und unterstützen die Pflanzen auf natürliche Weise. So entsteht ein Umfeld, das Wildbienen und anderen Nützlingen guttut und gleichzeitig für üppige, gesunde Blüten sorgt.
6. An Veranstaltungen und Umweltprojekte mitmachen
Im Kalender von Umwelt Basel gibt es viele spannende Aktionen zur Förderung der Natur. © Freepik
Schaue im Kalender von Umwelt Basel vorbei und nimm an einem spannenden Umweltschutzprojekt teil. Weitere Organisationen wie der WWF oder Pro Natura führen regelmässig Natureinsätze durch, an denen man teilnehmen und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen kann.