Eine Basler Initiative
Mit dem Bau zahlreicher Kläranlagen verbesserte sich Anfang der 1980er Jahre die Wasserqualität im Rhein. Dies veranlasste den damaligen Kantonalen Fischereiaufseher Walter Herrmann, das Basler Lachsprojekt ins Leben zu rufen. Im Jahr 1983 erhielt der Kanton Basel-Stadt vom Bundesrat erstmals die Bewilligung, 100 Junglachse in die Wiese auszusetzen.
Ohne menschliche Hilfe könnten die Junglachse derzeit keine selbsterhaltenden Populationen bilden. <br> Bildquelle: Schulthess Fotografie
Da der ursprüngliche Atlantische Rhein-Lachsstamm ausgestorben war, wurden für die Wiederansiedlung Lachseier aus Schweden importiert. Vor ihrer Entlassung in die Freiheit wurden die Zweijährigen Junglachse noch mit einer metallenen Marke zur Wiedererkennung gekennzeichnet.
Die Lachsgruppe Schweiz
Nachdem sich die Lebewesen im Rhein von den Folgen der verheerenden Chemiebrandkatastrophe von Schweizerhalle im Jahre 1986 erholt hatten, erfuhr die Wiederansiedlung des Lachses neuen Auftrieb.
Die Bronze-Skulptur «springender Salm» (1940) des Basler Künstlers Willy Hege an der Solitude-Promenade gibt Hoffnung auf eine baldige Rückkehr des Wanderfisches. <br> Bildquelle: Amt für Umwelt und Energie
Aus der Basler Initiative entstand das heutige Schweizer Lachswiederansiedlungsprogramm, welches im Laufe der Zeit hinsichtlich Aufzucht, Markierungsmethodik und Erfolgskontrollen perfektioniert wurde.
Die Wiederansiedlung heute
Seit mehr als 30 Jahren setzt der Kanton Basel-Stadt nun schon Lachse in die Wiese und Birs aus, aktuell sind es ca. 30’000 Exemplare pro Jahr. Seit 1998 werden die Lachse nicht mehr aus Schweden, sondern direkt von einer Fischzucht im Elsass bezogen.
Die Junglachse stammen aus einer Fischzucht im Elsass. <br> Bildquelle: Schulthess Fotografie
Und auch die umständliche und wenig fischschonende physische Markierung ist mittlerweile einer unsichtbaren genetischen Markierung gewichen.
Sanierung der Fischgängigkeit
Noch können die im Raum Basel ausgesetzten Lachse ohne menschliche Hilfe keine selbsterhaltenden Populationen bilden. Der Grund dafür sind die drei letzten unpassierbaren Wasserkraftwerke zwischen Strassburg und Basel.
Derzeit verhindern drei französische Wasserkraftwerke die Einwanderung von Lachsen aus dem Atlantik in die Schweiz. <br> Bildquelle: Wikimedia Commons - Thomas Berwing
Bis zur Sanierung dieser Kraftwerke sind auch im Kanton Basel-Stadt Massnahmen geplant, um dem Lachs die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung zu ermöglichen. Dabei gilt es, noch vorhanden Wanderhindernisse im Rhein und in der Wiese zu sanieren (AUE 2014).
Neuer Lebensraum für den Lachs
Neben der Fischgängigkeit müssen in den Lachsgewässern Wiese und Birs mehr Laich- und Jungfischlebensräume realisiert werden (Ninck & Dönni 2019).
Revitalisierter Abschnitt der Wiese <br> Bildquelle: Amt für Umwelt und Energie
Dies ist auch im Sinne der kantonalen Revitalisierungsplanung, welche in den nächsten Jahren die etappierte Umsetzung des Revitalisierungsprojekts «WieseVital» bis zur Landesgrenze in Lörrach fordert.
Die Nase als Hoffnungsträgerin
Trotz noch vorhandener struktureller Defizite sind die bisherigen Revitalisierungen im Wiese- und Birsunterlauf als Teilerfolg zu betrachten. Jeden Frühling wiederholt sich in beiden Flussunterläufen das turbulente Laichgeschäft von Hunderten von Nasen. Die Population dieser bedrohten Fischart hat sich in den letzten Jahren vergrössert und in beiden Flussunterläufen fest etabliert.
Die bedrohte Fischart Nase hat sich im Wiese- und Birsunterlauf fest etabliert. <br> Bildquelle: Amt für Umwelt und Energie
Sofern die relevanten Lebensräume vor den negativen Folgen weiterer Nutzungen geschützt werden können, steigen die Hoffnungen, dass es dem Lachs in Basel einst ähnlich wie der Nase ergehen wird.