Ein zweites Leben für kaputte Akkus

Lukas Oppler und Lysander Parodi Energie
Energie
  • Text: Julia Konstantinidis
  • Fotos: Julia Konstantinidis

Kurzprofil

upVolt GmbH
St. Jakobs-Strasse 200
Halle 3, Tor 9
4052 Basel

www.upvolt.ch

1/4 (v.l.n.r.) Jay Leuthardt, Lukas Oppler und Lysander Parodi von Upvolt arbeiten Akkus auf und konstruieren Grossspeicher daraus.

2/4 Lukas Oppler und Lysander Parodi haben aus ihrer Idee, Batterien ein zweites Leben einzuhauchen, ein Geschäftsmodell gemacht.

3/4 Der Elektriker Jay Leuthardt (links) bringt sein grosses Wissen über E-Bikes in das Start-up ein.

4/4 Die Akkus von E-Bikes bestehen aus mehreren einzelnen Zellen. Die Reparatur einer einzigen kaputten Zelle verleiht der Batterie ein neues Leben.

Ein zweites Leben für kaputte Akkus

Lukas Oppler und Lysander Parodi, «upVolt»

Batterien von E-Bikes und Elektroautos werden viel zu schnell entsorgt. Dass es auch anders geht, beweist das Team von Upvolt, das kaputten Akkus ein zweites Leben schenkt.

Lukas Oppler und Lysander Parodi
Energie
  • Text: Julia Konstantinidis
  • Fotos: Julia Konstantinidis

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upVolt GmbH
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Am Anfang von Upvolt stand die Reiselust zweier Freunde. 2016 wollten Lukas Oppler und Lysander Parodi mit einem Camper gemeinsam eine Reise nach Afrika unternehmen. Um unterwegs eine Verdienstmöglichkeit zu haben und um in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung zu kommen, hatten sie vor, in ihrem Fahrzeug eine mobile Werkstatt unterzubringen. «Dafür benötigten wir einen Stromspeicher. Alle auf dem Markt erhältlichen Geräte waren jedoch sehr teuer», erinnert sich Oppler, der am Hyperwerk in Basel studiert hat. Auf der Suche nach einer kostengünstigeren Lösung fragten die beiden bei Recyclingstationen nach ausgedienten Akkus. «Wir erhielten mehrere Laptop-Batterien. Als wir sie testeten, stellten wir fest, dass viele der Speicher noch funktionierten», so Oppler.

Diese Entdeckung verwandelte die Reisepläne der Freunde in eine Geschäftsidee: Sie beschlossen, vermeintlich ausgedienten, für das Recycling aussortierten Akkus neues Leben einzuhauchen. Denn Akkus bestehen aus mehreren einzelnen Zellen. Ist nur eine davon defekt, macht die Batterie keinen Wank mehr. Wird das kaputte Teil ausgewechselt, funktioniert der Akku wieder tadellos.

Viele der Speicherzellen eines ausgedienten Akkus funktionieren noch.

Lukas Oppler

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Batterien erhalten ein zweites Leben und es werden wertvolle Ressourcen geschont. Statt nach Afrika zu touren, erhielten Oppler und der studierte Ökonom Parodi im Smart City Lab Basel eine Testfläche, wo sie die Wiederverwendung von Batterien als Pilotprojekt starteten. Im April 2020 gründeten sie schliesslich ihre Firma Upvolt. Als dritter Gesellschafter kam der Elektroingenieur Laurens Mackay dazu. «Es war uns wichtig, jemanden dabei zu haben, der vom Fach ist», sagt Lukas Oppler rückblickend.

Inzwischen arbeiten die Jungunternehmer mit der Firma Pick-e-Bike zusammen. Für den E-Bike-Verleiher arbeiten sie gebrauchte Akkus wieder auf. Ebenfalls auf den Service von Upvolt setzt Veo-Bikes, eine Marke der Job-Factory Basel AG: Besitzerinnen und Besitzer eines Veo-Bikes, aber auch anderer Marken, können ihre Akkus bei Upvolt reparieren lassen. Sogar die Kantonspolizei Basel-Stadt zählt zu den Kunden von Upvolt: Für die Ordnungshüter realisierte man eine Ladestation für die E-Bike-Flotte. Dabei können die Tüftler auf das Know-how von Mitarbeiter Jay Leuthardt zählen, der grosse Erfahrung im Bereich von E-Bikes mitbringt.

Die Dienstleistungen rund um den E-Bike-Akku wurden für das Upvolt-Team, das lange ohne Bezahlung arbeitete, zur ersten Einnahmequelle: Man bietet mit dem Zellentauschservice Reparaturen für E-Bike-Akkus an – eine günstigere Alternative zum Kauf eines neuen Akkus, wobei Leistung und Reichweite gleich bleiben. Unterdessen ist das Upvolt-Team auf ein Dutzend Mitarbeitende angewachsen, die alle in Teilzeit beim Start-up tätig sind. Selbst zahlen sich die Gründer erst seit einigen Monaten einen kleinen Lohn aus.

Unser neustes Projekt ist die Entwicklung eines Second-Life-Stromspeichers aus gebrauchten E-Bike- und Autobatterien für die Zwischenspeicherung von Solarstrom.

Lukas Oppler

Mit ihrem neusten Projekt gehen die Basler einen Schritt weiter: Sie entwickeln einen Second-Life-Stromspeicher aus gebrauchten E-Bike- und Autobatterien für die Zwischenspeicherung von Solarstrom. Das Konzept: Tagsüber, wenn viel Sonnenstrom anfällt, wird der Überschuss gespeichert und kann zum Beispiel über Nacht für das Laden von E-Bike-Batterien verwendet werden.

Bereits hat die Fachhochschule Nordwestschweiz eine Vorstudie für das Projekt durchgeführt und auch mit den Industriellen Werken Basel (IWB) ist man im Gespräch. Ein Testspeicher steht auf dem Parkplatz vor dem Smart City Lab: Der Schiffscontainer ist vollgepackt mit Hunderten ausgedienten E-Scooter-Batterien. Ein eigens dafür entwickelter Transformator sorgt dafür, dass die darin gespeicherte Solarenergie unmittelbar genutzt werden kann. Geplant ist, dass verschiedene Abnehmer auf dem Wolfareal den so gespeicherten Strom für das Aufladen ihrer E-Autos verwenden.

Für das Team von Upvolt sind die entwickelten Lösungen keine Nischenprodukte, sondern ein Modell für die Zukunft unserer Mobilität. Denn vermeintlich ausgediente Batterien wird es immer mehr geben, man denke an die wachsende Zahl von Elektroautos. Und allein mit dem Recycling der Akkus ist es nicht getan. Das beweist Upvolt mit seiner Arbeit.

 

 

Publiziert im Dezember 2021

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